Samstag, 25. Juni 2016

Der letzte Schultag

Hallo ihr lieben,
ja, wie ihr es im Titel schon lesen könnt, ich hatte meinen letzten Schultag hier in Uruguay. Den letzten für wahrscheinlich immer.
Dieser letzte Schultag war genauer gesagt gestern und ich muss sagen, das war echt ein komisches Gefühl: Nie wieder mit meiner Freundin Ernestina in die Cantina (Kantine, oder besser gesagt Schulkiosk) zu gehen und den gratis Kaffee zu holen, den die Schule im Winter anbietet. 
Nie wieder zählen wie oft meine Geschichtslehrerin "Entienden, chiquilines?" ("Versteht ihr, Kinder?") pro Stunde sagt. 
Nie wieder in den Schulpausen irgendwelche komischen Selfies auf Sofias Handy machen.
Nie wieder die Soziologie Lehrerin suchen, damit sie unsere Stunde vorzieht und wir früher gehen können, wenn ein anderer Lehrer fehlt.
Sowas werde ich einfach nicht mehr erleben und das macht mich irgendwie traurig.

Am Donnerstag, also meinem vorletzten Schultag haben wir eine offizielle Verabschiedung in meiner Klasse gemacht. Geplant war eine Merienda Compartida (Merienda habe ich ja schon mal erklärt & Compartida heißt geteilt, sodass jeder einfach etwas mitbringt). 
Als ich dann am Donnerstag gegen 16:35 Uhr in der Schule angekommen bin, wurde ich schon von einigen Klassenkameraden empfangen. Es gab ziemlich viel zu essen, Kuchen, Kekse, selbstgemachte Pralinen usw. Auch ich habe natürlich etwas mitgebracht: Deutsche Weihnachtsplätzchen, natürlich selbst gebacken und ich musste feststellen, dass diese in Uruguay ziemlich gut ankommen, denn ich wurde ungefähr 19.000 Mal nach dem Rezept gefragt und außerdem wurden die Plätzchen ja ziemlich schnell leer gegessen.
Auch schon in der ersten Stunde haben wir ein Klassenfoto gemacht und auch meine Freundinnen und ich haben gefühlte tausend Bilder gemacht.
In der zweiten Stunde habe ich dann ein Abschiedsgeschenk bekommen: ich habe eine Tasse mit der Uruguayflagge und dem frisch aufgenommenen Klassenfoto bekommen (super Idee!) und ein T-Shirt, wo alle unterschrieben haben. Ich habe mich wahnsinnig darüber gefreut und so vergesse ich sie garantiert nicht: :D
Generell haben wir an dem Tag ziiiiemlich viel gegessen, aber das war ja quasi Sinn der Sache.

Gestern haben wir noch eine endgültige Verabschiedung in der Klasse gemacht: vier Stunden essen, quatschen und lachen. Am Ende haben mich ganz viele noch umarmt und mir eine gute Reise gewünscht. Ich kann es echt nicht glauben, dass gestern echt das letzte Mal im Liceo Campos (meiner Schule) war...

Jetzt habe ich also Ferien, mal wieder. Für meine Klassenkameraden sind es nur zwei Wochen bis sie wieder von 13.15 bis 19 Uhr im Klassenzimmer sitzen müssen und ihre Halbjahresexamen fertig schreiben. Für mich sind es jetzt ganze neun Wochen frei und das nächste Mal, wenn ich eine Schule betrete, wird in Deutschland sein, komischer Gedanke, oder?
Generell, der Gedanke das ich heute in zwei Wochen, um diese Zeit, in Deutschland bei meiner Familie, bei meinen Freunden und bei wem sonst noch sein werde, ist einfach so absurd...

In den zwei Wochen Ferien habe ich noch viel geplant: Ich werde zusammen mit Julia eine kleine Abschiedsfeier machen, ich werde vermutlich mit meiner Gastmutter für zwei Tage nach Punta del Este fahren (hat jetzt im Juni doch nicht geklappt), ich werde auf jeden Fall ein paar Tage in Dolores verbringen, um mich von meinen Freunden dort zu verabschieden und sonst... vielleicht werde ich noch einen Tag nach Colonia fahren oder ein bis zwei Tage aufs Campo fahren, denn eine Schülerin meiner Gastmutter hat mich eingeladen. (Campo ist so etwas wie uruguayischer Bauernhof, halt im nichts). Mal sehen, was ich am Ende wirklich mache. :D

DIE ZEIT RENNT EINFACH!

Jetzt kommen noch ein paar Bilder von der Verabschiedung und so :)

Klassenfoto (und der Rest vom Essen)

Meine Freundinnen: Agustina, Ernestina, ich und Sofia

Sofia und ich

Ernestina und ich

Agustina und ich (mit wunderschönem Snapchat Effekt)

Plätzchen im Juni

Liebe Grüße,
eure Frieda

P.S. In zwei Wochen müsst ihr mich wieder ertragen, stellt euch drauf ein. :P


Montag, 6. Juni 2016

Paysandú & was ich sonst noch so gemacht habe

Hallo ihr Lieben,
da schreib ich schon wieder. Ich wollte ja eigentlich schon im letzten Post berichten, was ich so in der letzten Zeit gemacht habe, aber der Post ist dann ja doch etwas anders ausgefallen, haha.
Also es hat sich hier in Mercedes schon ein ziemlicher Alltag eingespielt: Morgens, wenn meine Gastmutter arbeitet lese ich viel (momentan lese ich die Harry Potter Reihe auf Spanisch - ich hab schon die ersten drei und den siebten Teil fertig & bin gerade beim vierten) und wenn meine Gastmutter da ist, trinken wir oft Mate zusammen und quatschen ein bisschen. Nach dem Mittagessen gehe ich dann immer in die Schule und habe Unterricht bis 19 Uhr. Meine Klasse ist echt super cool & ich habe dort auch ein paar super Freundinnen gefunden mit denen ich in langweiligen Unterrichtsstunden labere oder, wenn wir eine Freistunde haben, an die Rambla gehe. An den Wochenenden mache ich gerne etwas mit meiner Gastmutter, mit meinen Freundinnen und Freunden aus Uruguay oder mit Julia.

Diesen Samstag waren Julia und ich zum Beispiel in Paysandú, einer Stadt zwei Stunden nördlich von Mercedes. Am Samstag Morgen um acht Uhr morgens ist Julia zu mir gekommen und nach einem kleinen Frühstück sind wir dann zur Terminal, dem Busbahnhof, gelaufen. Als wir in Paysandú angekommen sind, wurden wir erstmal vom Regen begrüßt, der uns aber überhaupt nichts ausgemacht hat. Nachdem wir erstmal planlos durch die Stadt gelaufen sind, haben wir erstmal (richtig Touri-like) in einem Obstladen nach dem Weg ins Stadtzentrum gefragt und haben dann nach kurzem Suchen sogar eine Touristeninformation gefunden, wo uns eine nette Dame eine kleine Stadtkarte gegeben hat.
Ja, ich muss sagen, wir waren wirklich typische Touristen an dem Tag. 
Als allererstes haben wir uns eine große Kirche angeschaut, dann sind wir ein bisschen im Zentrum herumgebummelt bis wir langsam Hunger bekommen haben und in einem kleinen Hamburger Restaurant (auf Empfehlung der Frau in der Touristeninformation) zu Mittag gegessen haben. Danach sind wir in ein kleines Geschichtsmuseum gegangen. Dort haben wir lange mit einem Mitarbeiter des Museums gequatscht, der uns viel über die Geschichte Paysandus erzählt hat. Zum Schluss sind wir nochmal kurz zurück ins Zentrum gegangen und dann schnellen Schritts zurück zur Terminal, um den Bus nach Mercedes zu bekommen.
Gegen 19 Uhr sind wir dann wieder in Mercedes angekommen. Es war ein schöner Ausflug & jetzt kenne ich wieder eine Stadt mehr aus Uruguay. Paysandu hat mir trotz des Regens gefallen, auch, wenn die Stadt nicht so schön wie Mercedes, Salto oder Colonia ist. :)

Gestern Nachmittag war ich mit einem Kumpel und zwei seiner Freunde bei einem kleinem Motorradrennen. Es war echt cool, das live zu sehen, aber am Ende wurde es ein bisschen kalt. Danach bin ich zu einer Freundin meiner Gastmutter gegangen und wir (meine Gastmutter, die Familie der Freundin und ich) haben dann das Fußballspiel Uruguay gegen Mexiko geschaut, bei dem Uruguay leider 3 zu 1 verloren hat. So zu verlieren ist schon etwas traurig, aber das traurigste (oder doch lustigste?) war, dass statt der uruguayischen Nationalhymne die chilenische gespielt wurde!

Das Wochenende davor, also das letzte Maiwochenende, war ich in Dolores. Am Samstag bin ich gegen 10.30 Uhr in Mercedes losgefahren und war dann 40 Minuten später in Dolores. Ich habe dann gleich erstmal Ari (meiner Freundin bei der ich auch im Januar 10 Tage war, und bei der ich auch dieses Wochenende war) geschrieben, aber die Gute hat leider noch geschlafen, sodass ich kurz bei Maleia, einer ATS in Dolores vorbeigeschaut habe. Zum Mittagessen bin ich dann zu Ari und danach sind Ari und ich zu einer Freundin gegangen und haben dort mit ein paar Anderen das Championsleague Finale geschaut. Später am Abend sind Ari und ich zu einer anderen Freundin gegangen und haben dort Pizza gemacht. Wir haben Karten gespielt und viel gelacht. Am nächsten Tag gegen Mittag haben Aris Mutter, ihre kleine Schwester, ihr kleiner Bruder, zwei kleine Cousins und ich Gnocchi selbst gemacht, also den Teig, das Gnocchi-Formen und das Kochen. Es hat echt viel Spaß gemacht & gehört auch voll zu der uruguayischen Kultur dazu, da man ja an jedem 29. Gnocchi isst. Nach dem Mittagessen habe ich dann Hannah, eine andere ATS besucht und wir haben zusammen Apfelkuchen gemacht. Dann bin ich zu Milena, meiner Area Rep, gegangen um einfach mal wieder mit ihr zu quatschen, da sie wie eine Freundin für mich ist. Dort hat sie mir auch die Profile der neuen ATS in Uruguay gezeigt, was für mich auch echt cool war, weil es mich schon interessiert, wer hier so nächstes Jahr hinkommt. 
Am Abend hatte ich eigentlich geplant heim zu fahren, aber ich bin dann doch spontan geblieben, da mich Milena und ihre Familie zum Übernachten eingeladen haben.
Am nächsten Tag nach dem Mittagessen sind wir ins neue Liceo von Dolores gegangen und haben dort geholfen Stühle zu stellen usw., da es am Mittwoch eröffnet wurde. Das neue Liceo besteht aus Containern und ist ganz schön geworden. 
Neues Liceo? Wieso eigentlich? In Dolores gab es doch vor 1 1/2 Monaten den Tornado: eins der beiden alten Liceos steht nicht mehr, das andere ist Einsturz gefährdet. Das neue, "provisorische" Container-Liceo wird benutzt bis alles wieder hergerichtet ist, das kann noch ein bisschen dauern.
Dann haben wir noch Merienda gegessen und vor dem Feuer gesessen bis ich um 19.15 Uhr zum Bus musste und dann gegen 20 Uhr in Mercedes angekommen bin.

So, das wars auch schon wieder. Ich hoffe, es geht euch allen gut! :)
Falls das neue Austauschschüler lesen und ihr irgendwelche Fragen generell zum Auslandsjahr oder speziell zu Uruguay habt, gerne in die Kommentare :)
Jetzt kommen noch ein paar Bilder :)

Mein Lieblingsalfajor

Uruguay Liebe <3

Austauschschülerbesuch von Emilie und Maleia

Mit Mädchen aus meiner Klasse: v.l.n.r. ich, Barbara, Agustina, Mikaela, Rosa, Anabella und Ernestina

Meine Mädels: v.l.n.r Anabella, Ernestina, ich, Sofia und Agustina

Die Kirche in Paysandu

Blumen



Besos,
Friedita <3

Donnerstag, 2. Juni 2016

Warum vergeht die Zeit so schnell?

Hallo meine Lieben,
und schon wieder sind ungefähr zwei Wochen seit meinem letzten Post vergangen und es kommt mir einerseits vor, als wäre es vorgestern gewesen, dass ich diesen geschrieben habe, andererseits ist es auch schon wieder ewig her. Genauso ist es mit meinem Auslandsjahr: einerseits kommt es mir vor, als wäre es gestern gewesen, dass ich hier angekommen bin, andererseits habe ich so viel erlebt, dass es mir wie eine Ewigkeit vorkommt. Ich verstehe einfach nicht wie das mit der Zeit funktioniert... Sie geht mir in letzter Zeit einfach viel zu schnell um & es bleibt mir noch zu wenig. Ich will noch so viel machen, aber es heute (Freitag!) aber einfach nur noch genau fünf Wochen!
Ob ich will oder nicht, muss ich sogar schon langsam anfangen mich von Leuten zu verabschieden, obwohl ich mich doch gar nicht verabschieden will?! 

Ich habe noch so viel vor in der kurzen Zeit: am Samstag gehts mit Julia nach Paysandú, einer Stadt zwei Stunden nördlich von hier, und wir spielen ein bisschen Touristen. Das Wochenende drauf bin ich hier in Mercedes und mache was mit meinen Freundinnen hier, das Wochenende drauf bin ich WAHRSCHEINLICH einen Tag in Colonia und dann eventuell das Wochenende in Punta Del Este, wo man einfach mal gewesen sein muss, wenn man in Uruguay ist (& wo ich btw noch nie war :D)
Dann das Wochenende drauf fangen schon die Winterferien an, das heißt, dass der 24.6 mein letzter uruguayischer Schultag ist, schon verrückt irgendwie. Die letzten zwei Wochen sind Ferien, wo ich hoffentlich noch viel mit Freunden machen kann & dann am 8. Juli steige ich gegen 17 Uhr oder so in den Flieger, zurück nach Deutschland. Ich kann mir das momentan einfach alles nicht vorstellen, einfach wegzufliegen. 

Klar, ich bin das schon gewöhnt, ich hab mich schon von 17.000 Menschen verabschiedet, ja. Aber ich habe mich für ein Jahr verschiedet, nicht für eine unbestimmte Zeit oder sogar vielleicht für immer. Denn das wird hier passieren: ich werde vielen Leuten tschüss sagen und dabei nicht mal wissen, wann und ob ich sie wiedersehen werde. Komisch oder?

Jedenfalls bin auch ich nun bei dem Punkt: ICH WILL NICHT MEHR WEG! Natürlich freue ich mich auf meine Familie & Freunde in Deutschland, sehr sogar, allerdings werde ich meine Familie & meine Freunde von hier vermissen. Ein Teil von mir wird hier bleiben, klar, aber trotzdem: wenn ich gehe, wird es nie mehr so sein wie es jetzt ist. Man ist nur einmal Austauschschüler, wenn ich wegfliege ist es vorbei. Natürlich kann ich wiederkommen, aber es wird anders sein: wenn ich wiederkomme bin ich nicht mehr Frieda, die Austauschschülerin, die in Uruguay wohnt. ich bin Frieda, die ehemalige Austauschschülerin, die zu Besuch da ist. Das ist einfach eine Sache, die es so tierisch schwer macht zu gehen: ICH LASSE EIN LEBEN HIER!


"Ein Austauschjahr ist wie eine Fahrt mit der Achterbahn. Zuerst will man unbedingt damit fahren und ist sehr fasziniert von der Vorstellung, dann geht es schnell. Man muss einsteigen und dann kommen die ersten mulmigen Gefühle. Dann gibt es Hochs und Tiefs. Aber es wechselt dann sehr schnell. Am Ende ist man ein bisschen traurig, dass es schon vorbei ist, ein bisschen stolz, dass man es überlebt hat, erfreut wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und eigentlich würde man am liebsten sitzen bleiben und noch mal fahren."

Dieses Zitat ist wohl eins der besten, um ein Auslandsjahr zu beschreiben. Ich erinnere mich noch genau daran, als es noch ewig hin war, bis es losging: aber dann ging es plötzlich schnell und zack!, ich saß im Flieger nach Uruguay! Das Jahr war nicht immer einfach und ich hatte mehrere Momente, wo ich gerne einfach alles hin geschmissen hätte, da ich einfach viele Probleme hier hatte. Ich kann euch aber sagen: es geht immer irgendwann wieder bergauf, das Wichtigste dabei ist einfach, dass man nicht aufgibt. Ich bin ziemlich traurig, dass meine Geschichte Auslandsjahr schon fast wieder vorbei ist, ich bin stolz alle Hürden, die mir in den Weg gestellt wurden, gemeistert zu haben. Ich werde mich bestimmt (auch, wenn ich es mir gerade nicht so recht vorstellen kann) irgendwie wieder freuen in meinem "normalen" Leben in Deutschland zu sein, aber andererseits will man dieses ganze Jahr nochmal durchleben (auch, wenn ich in meinem Fall die unangenehmen Punkte lieber weg lasse).

So, das wars wieder von mir. Eigentlich wollte ich ja über die letzten zwei Wochen schreiben, aber das mache ich im nächsten Post & baue Paysandú dann auch noch mit ein! Der nächste Post kommt, wenn alles nach Plan läuft sehr bald. ich denke, wenn ich Lust und Zeit habe zwischen Sonntag & Dienstag.

Besos,
Friedita <3